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“Mit 6-und-sechziiig - ist noch lange nicht Schluss!” (Udo Jürgens). Das schwierigste war die “Starterlaubnis”. Als ich die am Dienstag, 23.9.05 bekam, fuhr ich sofort nach Saarbrücken und kaufte eine Fahrkarte für € 82,-. Dann schnell gepackt, war nicht viel, nur 1 Gitarrensack mit Notenfach (s. Foto nach der 1. Übernachtung in Schönau am Königssee - im Hintergrund der “Hochkalter”), der Rest in den Anorak. Also meine übliche “Ausrüstung” für Fernwanderungen. Die sehr kurze Vorbereitungszeit machte unterwegs natürlich Probleme, vor allem bei der Quartiersuche ohne Telefonbuch, Auto und geöffnete Touristikbüros. Mittwoch früh, 24.9., ab per Bahn nach Berchtesgaden. Ab Bahnhof quasi zum Eingewöhnen an den Königssee getrampt, Schuhe und Strümpfe aus, in den Königssee gestellt, Foto machen lassen, = START PROJEKT. Direkt ging’s los mit Straßenmusik in der dortigen “Souvenir- und Essgasse”; hier meine erste Sponsorin, es war auch die schönste. Dann wieder nach BERCHTESGADEN getrampt, in der Fußgängerzone Straßen- und im “Bräuhaus”, schönstes und ältestes Lokal am Platze, Kneipenmusik gemacht. Die Gage: Abendbrot, 1 Radler und 5,-€ vom Wirt sowie 5,- € von einem (!) Gast. Mit Straßen- und Kneipenmusik verdiente ich also das Geld für Übernachtungen mit Frühstück, andere Ausgaben leisete ich mir keine, um das Projektteil “für 0,- Euro” nicht zu gefährden. Vom Frühstück blieben meist 2 Wurstweck in meinen Taschen “hängen”, die Quartierfrau schüttete mir heißes Wasser in die Feldflasche mit (mitgebrachtem) Kamillentee, Zucker drauf, fertig! Eine Schleife führte mich in die schöne RAMSAU. An Tankstellen, in Parkhäusern usw. gibt’s überall unser kostbares und bestens überwachtes Getränk umsonst: Wasser, dessen Entsorgung ebenfalls. Manchmal spielte ich auch für ein Mittag-, wie hier im “Wienerwald” in ALTÖTTING, oder Abendessen. In Altötting erschien mir zwar nicht die Mutter Gottes, jedoch die “Amtsgewalt” weil das gesamte Areal “heiliger Boden” und laut Orts- und bayerischer Satzung mit “Alkohol- und Musikverbot belegt” sei. Gegen letzteres hatte ich wohl verstoßen. Ordnung muß sein; wir nahmen’s beide mit Humor.
Die Jugendherberge in LANDSHUT unterhalb Schloss Trausnitz war mit € 15,- das günstigste Quartier. Manche (halbe, ganze ...) Stunde stand ich auf einsamer Dorfstraße, wie unterhalb vorm riesigen alten Schloß in SONDERSHAUSEN, vor allem, wenn es mich in die “Provinz” verschlagen hat. Eine genaue Routenführung hatte und brauchte ich nicht; gerade wie’s kommt, nur nach Norden! Nach NEUMARKT/OBERPFALZ kam schon NÜRNBERG, wo u. a. Scharen von Japanerinnen am “Schöner Brunnen” vorbeigezogen wurden; “Am Ring drehen und sich was wünschen, aber nix darüber sagen!”
In COBURG, das COBURGER TAGEBLATT druckte einen netten Reisebericht, hatte ich ein Gastspiel im schönen Garten der “Bar Celona” mit lieben Leuten und fand entsprechend spät nur noch das teuerste Quartier der Tour, das “Romantikhotel Goldene Traube”; € 39,- ohne Frühstück, ich nahm morgens auch keins, aber mit 7 Hand- und Badetüchern, Sauna, Whirlpool, Trimmraum, alles was ich prima brauchen konnte?! In der “Bar Celona” war auch die Programmleiterin von “Radio Eins”. Sie bat mich zu einem Interview, das am nächsten Morgen “live” in den fränkischen Äther ging. Gegen Ende sang ich “Heute hier, morgen dort ...”, was der Realität entsprach. Es war “echt gudd!” In SUHL erstand ich wegen “ohne Frühstück”, s. o., 2 Thüringer Rostwürste und bekam für die Straßenmusik von einem netten jungen Ehepaar mit Baby (“La-le-lu, nur der Mann im Mond schaut zu ...”), 1 Flasche Waffenöl. Was soll ich daaamit? Als ich jedoch das Käppchen aufdrehte, roch es wie “Jägermeister”. Aha! Das “FREIE WORT brachte auch einen Bericht über den hereinschneienden “Wanderhans”. Ansonsten: alte Leute, alte Häuser, 20 % Arbeitslose, aber piekfeine Straßen. So kam ich in diesem Leben auch mal nach GOTHA, schön, aber leer, und auf die “Deutsche Fachwerkstraße” in MÜHLHAUSEN (2 Musiker).
Dann ging’s über BRAUNLAGE durch den HARZ, den viele nur vom “Rennsteiglied” kennen, bis BAD HARZBURG mit einem imposanten Kurhaus im Park. In BRAUNSCHWEIG trafen sich zwei Löwen, aber es waren auch noch 5 Bettler und 3 weitere Straßenmusikanten dort, was mir vorher und nachher nie begegnete, also tappte ich 4 km zur nördlichen Ausfallstraße. CELLE war schön, mein knapper Kassenstand baute sich etwas auf, und im Biergarten des wunderschönen “Stadtpalais” traf ich auf eine nette Gruppe junger Leute, die “Dame in rot” und ihr Freund heiraten noch im September. Auf dem Marsch von der Stadtmitte zum grünen Rand kam ich noch an der “Cellesche Zeitung” vorbei, die ebenfalls sofort ein Interview machte. Nur: “Gage” o. ä. gab es auch hier nicht. Alle diese Treffs mit Zeitungen und Sender waren spontan, weil sie gerade auf dem Weg lagen, vorbereitet war nichts. “BUXTEHUDE, wo die Gäns’ ... “ kannte ich bisher nur von dem bewussten etwas unfeinen Reim aus Kindertagen. Aber das gibt’s wirklich, knapp westlich von Hamburg, das ich links umfuhr.
Freitag, 2.9.: Jetzt ist es nur nur ein Katzensprung bis CUXHAVEN; ins Strandbad und in die Nordsee gelaufen, die gleiche Zeremonie wie am Königsee: ENDE PROJEKT. Nur gingen nicht nur meine langen Beine, sondern auch das Handy baden. Erstere haben, wie auch sonst alles auf der Tour, schadlos überstanden, toi-toi-toi, das Handy samt Guthaben nicht. Mit dem Wetter hatte ich reinen Dusel: nur Sonnenschein. Entsprechend “happy” und entspannt spielte ich abends im feinen Restaurant “Am Meer” auf, wo meine Lieder auf 3 Videoleinwänden übertragen wurden. Gage vom Wirt: mein Abendessen mit Getränken und von den Gästen eine große Hand voll “Gold und Silber ... “, ein schöner Abschluss. An der “Alten Liebe” beim Hafen, bekannter Treffpunkt, spielte die “letzte Musi”. Schon vorbei mein Sommermärchen ... ! Danach ging’s wieder heim, ganz normal mit Bahn und EC-Karte.
Autos: 2 bis 8 am Tag, insgesamt 49, überdurchschnittlich viele Jugendliche, sog. Alternative und Ausländer. Ab 50 ging praktisch nix mehr.
Strecke: 1.000 km, 90 % Bundes- und Landstraße, 10 % Autobahn.
“Stundenplan” (14 Stunden tagsüber, 9 - 23 Uhr, cirka): 7 Std. Auto anhalten (!), 1 Std. Auto fahren (= schöner!), 2 Stunden tappen (City bis Ausfallstraße), 4 Stunden singen zur Gitarre (auch schöner!).
Kassenstand: am Anfang (als “Lebensversicherung” hatte ich eine EC-Karte dabei, die ich nicht anrührte), +/- € 0,-, Einnahmen aus Straßen- und Kneipenmusik: (€ 515,- + ein 2-Schweizer-Franken-Stück aus Altötting + 1 US-Dollar aus Nürnberg) + € 518,-, Ausgaben für Quartier mit Frühstück (sonst leistete ich mir nix): - € 250,-, Nettoeinnahme somit: (€ 265,- + 2 Schweizer Franken + 1 US-Dollar) + € 268,-,
die ich für “gitarrenlose” Wanderhütten umsetze. Die erste hängt (noch?) in der Rohrbacher Pfälzerwaldvereins-Hütte auf dem Kahlenberg, mein “Hausberg”, eine weitere in der “OAK TREE RANCH” vom Westernclub St. Ingbert sowie in der nach Abbrand 2005 in 2007 wieder eröffneten Gräfensteinhütte des Pfälzerwaldvereins Merzalben.
Es war kein Zuckerlecken, siehe “Stundenplan”, aber “... es war mol was anneres!”. Übrigens: oben in CUXHAVEN nach der letzten Übernachtung “on tour” auf dem Weg zum Bahnhof kam ich bei einer Säule vorbei. Die Dame darauf füllte, ich fühlte ”Triumph”. Das hält noch an.
St. Ingbert (Saarland), 9. Sept. 2005 Nette Grüße ;-) Fragen, Kritik: bitte Email, ich beantworte gern jede Zuschrift.
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